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Feucht, aber fröhlich

Erster Historischer Techniker-Bummel war eher ein Wasser-Marsch, gab dem heftigen Regen trotzend aber einen Einblick in die Geschichte.

Historisch gewandet und bewandert: OB Ralf Schreiber, Rektor Ludwig Hilmer und Gästeführer Matthias Kreskowsky (v.l.) schlagen den Bogen von den Anfängen der Hochschule zur Gegenwart.

Zum Beginn des Wintersemesters im 150. Jubiläumsjahr lud die Hochschule Mittweida gemeinsam mit der Stadt Mittweida am Mittwoch zu einem Spaziergang entlang der Orte der Anfänge ein. Unmittelbar nach der feierlichen Immatrikulation in der Stadtkirche "Unser lieben Frauen" waren die Erstsemester, ihre Angehörigen, Professoren und Mitarbeiter der Hochschule gemeinsam mit den Bürgern und Gästen der Hochschulstadt zum Historischen Techniker-Bummel eingeladen. 

Etwa 400 Bummler versammelten sich schließlich am frühen Abend auf dem Markt. Gemeinsam mit der Feuerwehrkapelle Göritzhain und den Studenten vom Bratwurststand warteten sie auf den Startschuss, den die Technicum-Gründer Wilhelm Heinrich Uhland und Carl Georg Weitzel sowie Bürgermeister Oskar Friedrich Kunze geben sollten. Hinter den drei historischen Persönlichkeiten aus den 1870er Jahren, verbargen sich Gästeführer Matthias Kreskowsky, Hochschulrektor Ludwig Hilmer und Oberbürgermeister Ralf Schreiber.

Als der Regen heftiger wurde und die an den einzelnen Stationen des Bummels vorbereitete Projektions- und Übertragungstechnik gefährdet war, entschloss man sich zu einer Kurzversion des Bummels entlang der Rochlitzer Straße. Die drei historischen Herren ließen es sich aber nicht nehmen, wenigstens die Kurzversion der Geschichte der Hochschule in Mittweida zu erzählen. Das jüngste Kapitel ist die seit kurzem auch offizielle Bezeichnung der Stadt Mittweida als "Hochschulstadt". 

Anfänge als Straßenhochschule

Der Anfang war am 3. Mai 1865. An diesem Tag gründete der aus Württemberg stammende 25-jährige Wilhelm Heinrich Uhland das Uhland'sche Technicum als private höhere technische Lehranstalt zur Ausbildung von Maschinenbauern. Schon Uhland legte großen Wert auf die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, konnte sich wirtschaftlich aber nur mühsam etablieren. Carl Georg Weitzel, einer der bei Uhland angestellten Lehrer, übernahm deshalb das ehrgeizige Projekt und eröffnete am 7. Mai 1867 mit der Unterstützung lokaler Unternehmer das "Technicum Mittweida" (ab 1880 "Technikum Mittweida").

Das Uhland'sche Technicum etablierte sich von 1865 bis 1867 zunächst in verschiedenen Gebäuden überwiegend in der Rochlitzer Straße und im Theaterhaus (heute Kino) mit Sekretariat, Internat und Unterrichtsräumen. Diese Infrastruktur wurde bei der Weiterführung von Carl Georg Weitzel 1867 übernommen und erweitert. Ab den 1870er Jahren folgten die heute bekannten historischen Technikum-Gebäude auf dem Galgenberg, der damals noch außerhalb der Stadt lag.

Die von Weitzel und seinem Nachfolger Alfred Udo Holzt als private Ausbildungsstätte geführte Einrichtung zog schon bald zahlreiche Studierende an: Schon um die Jahrhundertwende war das "Technikum Mittweida" eine der größten privaten Lehreinrichtungen in Deutschland mit der Ausbildung von Maschinenbau- und Elektro-Ingenieuren.

Internationaler Techniker-Bummel in den 1920er Jahren

Die Studenten des früheren Technikums - die "Techniker" - zogen im vergangenen Jahrhundert nach der letzten Lehrveranstaltung jeden Tag am späten Nachmittag in die Stadt und trafen sich in einer der sechzig Gaststätten. Dieser "Techniker-Bummel" prägte das Stadtleben. In der Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zählte das "Technikum Mittweida" bereits 2300 junge Menschen als Studierende. Sie kamen vor allem aus den europäischen Ländern, aber auch aus Übersee und aus Asien. Zeitweise waren mehr als die Hälfte aller Studenten Ausländer. Der große Zulauf an Studierenden aus dem In- und Ausland prägte auch zunehmend das Gesicht der Technikumstadt Mittweida. Zeitzeugen berichten schließlich vom täglichen "Techniker-Bummel" am Nachmittag auf der Rochlitzer Straße. "Da sahen wir Norweger mit einem Gang, als hätten sich Schiffsplanken unter sich, da waren baumlange weißblonde Schweden, kleine lächelnde Chinesen, ... Da gab es viele Studierende aus Russland, Wissensdurstige aus Brasilien, Chile und Uruguay... Das war wirklich eine Welt, das war beinahe die Welt!" [Mittweidas Ingenieure in aller Welt, Hg. Hochschule Mittweida, ergänzte Nachauflage 2014, S. 8] 

Eröffnung des 1865

Auf dem verkürzten Bummel war schließlich das "1865" die erste Möglichkeit, wieder ins Trockene zu kommen. Rektor Ludwig Hilmer eröffnete das Jubiläums-Café an der Ecke Rochlitzer-/Poststraße. Hier gab es für jeden, der am Techniker-Bummel teilnahm, die offizielle Gedenk-Medaille zum Jubiläum. Das Haus spielt auch eine Rolle in der frühen Geschichte des Technikums. In der jüngeren Vergangenheit war hier zuletzt das "Black & White". Für den zweijährigen Jubiläumszeitraum bis Mai 2017 wird das "1865" ein Ort sein, der Studierende und Bürger der Stadt in nostalgischer Atmosphäre mit vielen zeitgenössischen Ausstellungsstücken zum Thema Jubiläum zusammenbringen soll. Es ist täglich ab 19 Uhr geöffnet. 

Fotos: Dietmar Träupmann und Helmut Hammer