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Am Anfang war die Straßenhochschule

Die Hochschule Mittweida feierte am 3. Mai 2015 den Auftakt zum 150-jährigen Jubiläum am Ort der ersten Lehrveranstaltungen

Hörsaal, Kinosaal, Festsaal: Im Theaterhaus spielt Hochschulgeschichte.

Zum Auftakt des Jubiläums ging es dorthin, wo vor 150 Jahren alles begann: ins Mittweidaer Theaterhaus, das heute das Kino Filmbühne ist, und wo Ende der 1870er Jahre die ersten Lehrveranstaltungen des Mittweida Technicums stattfanden. Rektor Ludwig Hilmer erinnerte in seiner Begrüßungsrede die über einhundert Festgäste an die Ursprünge.

Am 3. Mai 1865 gründete der aus Württemberg stammende 25-jährige Wilhelm Heinrich Uhland das Uhland'sche Technicum als private höhere technische Lehranstalt zur Ausbildung von Maschinenbauern. Schon Uhland legte großen Wert auf die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, konnte sich wirtschaftlich aber nur mühsam etablieren. Carl Georg Weitzel, einer der bei Uhland angestellten Lehrer, übernahm deshalb das ehrgeizige Projekt und eröffnete am 7. Mai 1867 mit der Unterstützung lokaler Unternehmer das "Technicum Mittweida".

Rektor Ludwig Hilmer mit Dokumenten aus der Hochschulgeschichte im Mittweidaer Kino Filmbühne: "Welch ein Bild - darauf haben wir 150 Jahre gewartet!"
Historischer Ort Rochlitzer Straße 37: Altrektor Lothar Otto (rechts) zeigt seinem Vorgänger Werner Totzauer, wo Technicum-Gründer Uhland wohnte und die Studenten-Anmeldungen entgegennahm.

Das Uhland'sche Technicum etablierte sich von 1865 bis 1867 neben dem Theaterhaus zunächst in verschiedenen Gebäuden überwiegend in der Rochlitzer Straße mit Sekretariat, Internat und Unterrichtsräumen. Diese Infrastruktur wurde bei der Weiterführung von Carl Georg Weitzel 1867 übernommen. Erst in den 1890er Jahren folgten die heute bekannten historischen Technikum-Gebäude auf dem Galgenberg, der damals noch außerhalb der Stadt lag.

Damals wie heute: erfolgreich in der Verbindung von Theorie und Praxis

Die von Weitzel und seinem Nachfolger Alfred Udo Holzt als private Ausbildungsstätte geführte Einrichtung zog schon bald zahlreiche Studierende an: Schon um die Jahrhundertwende war das "Technikum Mittweida" eine der größten privaten Lehreinrichtungen in Deutschland mit der Ausbildung von Maschinenbau- und Elektro-Ingenieuren.

An diesen frühen Ruhm der Mittweidaer Ausbildung knüpften auch die beiden "Uhlandvorlesungen" an, die den Blick von außen auf die Geschichte der Hochschule lenkten.

Robert Salzl, ehemaliger Chefpilot und Leiter des Flugbetriebs der Deutschen Lufthansa AG, nahm die für Mittweida typische Verbindung von Theorie und Praxis auf und zeigte am Beispiel des alten Menschheitstraum vom Fliegen die Notwendigkeit dieser Verbindung. Auch aus Mittweida kamen Ingenieure, die sich mit der Luftfahrzeugtechnik beschäftigten - wie zum Beispiel Bruno Buschmann (1893-1913), Rolf Heinkel (1915-1951), Gerhard Neumann (1917-1997), Karl Schwärzer (1901-1974) oder Oskar Ursinius (1878-1952). 

Robert Salzl hält Praxisbezug in der Ausbildung für wichtig - ein Prinzip, mit dem Mittweida schon früher erfolgreich war: "Sie in Mittweida haben das seit der Gründung in den Genen."
ARRI-Ingenieur von heute, Michael Koppetz, mit den ARRI-Gründern im Hintergrund - links der Mittweidaer Absolvent August Arnold.

Die zweite Uhlandvorlesung war August Arnold (1898-1983) gewidmet. Er studierte von 1916 bis 1917 in Mittweida und gründete unmittelbar danach mit Robert Richter ein Unternehmen, das heute weltweit bekannt ist: Die jeweils beiden ersten Buchstaben der Nachnamen der jungen Gründer bildeten den Firmennamen: ARRI. Michael Koppetz, Senior Engineer Forschung und Entwicklung der ARRI Gruppe, zeigte die Entwicklung von der ersten Arriflex 1935 bis hin zu den aktuellen digitalen Filmkameras, wie der Alexa, mit der heute die meisten Kinofilme gedreht werden.

Mittweidas Beigeordneter Ralf Schreiber: "Mittweida ist nur durch seine Hochschule das, was es heute darstellt."

Mittweidas Beigeordneter und stellvertretender Oberbürgermeister Ralf Schreiber hob die Bedeutung der Hochschule für die Hochschulstadt Mittweida hervor - eine Bezeichnung, die die Stadt nun auch offiziell beantragt hat. Dabei möchte die Stadt attraktiver werden und mehr Studenten davon überzeugen, auch hier zu wohnen. Schreiber konnte anhand einiger zeitgenössischer Polizeiberichte bezeugen, dass die Studenten das Leben in der Stadt früher einmal mehr geprägt haben. 

Zur Festsitzung des Senats der Hochschule am gestrigen Sonntag, dem 150. Gründungstag, kamen neben dem Senat die Hochschulleitung, der Hochschulrat, die Dekane der Fakultäten, weitere Professoren und Mitarbeiter, Vertreter der Studierenden und das 150-Jahre-Organsiationskomitee sowie der Stadtrat der Hochschulstadt Mittweida und Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Im Anschluss gab es einen Empfang im Rathaus der Hochschulstadt.